Live aus’m Bummelzuch

kal_miniBrandheiß aus dem Koren Air Flieger von Sydney nach Seoul schicke ich euch ein Update vom Fliegen auf Koreanisch: Huch! Da flog soeben eine Stewardess vorbei! Na dann mal guten Flug, und bleiben Sie ansgeschnallt. Uns erwartet eine CAT II Landung!…


Als die Frau von Korean Air am Telefon erzählte, dass ich in einem A340 fliegen werde, habe ich mich riesig gefreut! Ich wollte schon immer einmal A340 fliegen! Mit dem Blick aus dem Fenster im Airport kam dann die Ernüchterung: Das musste wohl noch ein Baby-A340 sein – er hatte noch nicht mal alle Zähne und ein ganz kleines Fahrwerk… okay, es ist’n A330. Ah well… macht nix. Doch, macht was! Hier am Sitzplatz gibt es keinen eigenen Bildschirm, kein eigenes Entertainmentsystem abgesehen von einem hässlichen Radio, keine Steckdosen, kein Telefon und keinen Swimmingpool. Na großartig… ich darf mir also den diesen 20 cm breiten Fernseher da vorn in der ersten Reihe mit 50 genervten Koreanern mit Schweinegrippe teilen. Doch da der Pilot höflichst darum gebeten hat, den Flug zu genießen, werde ich mal mein Bestes tun. Zumindest haben wir gerade Erfrischungstücher zum Frühstück bekommen, was meinen Hunger gestillt und meine Laune schlagartig verbessert hat.

Kommen wir nun einmal zu den Flugdaten: Der Takeoff (Start) war ziemlich gruselig. Der A330 schoss so schnell über die Piste, dass ich nebenher rennen konnte, schien dann einen kleinen Satz über den Zaun am Ende der Piste zu machen und hob schließlich ab. Nach einem Steigflug mit drei Metern pro Stunde haben wir schließlich unsere Reiseflughöhe von zwölf Metern erreicht. Doch etwas gutes kann ich berichten: Die Ventilatoren unter den Flügeln sind so geräuscharm und die Koreaner so still, dass ich ein Baby vorn im Cockpit schreien hören konnte. Soeben hat Koran Air – pardon – Korean Air hat sich entschlossen, uns einen Beutel voller Salz mit zwei Erdnüssen und einen Becher Orangensaft auszugeben, der uns wahrscheinlich gleich bei den Turbulenzen um die Ohren fliegt. Jetzt verstehe ich auch die Floskel „fly with pleasure“ Der Orangensaft findet’s bestimmt ganz toll!

Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit zum Schreiben, weil ich mir nämlich gerade diesen interessanten Film auf koreanisch anschaue. Sching Schang scheint Mutschi Knutschi zu lieben, aber er hatte eine Kling Klang mit Kong Fu und das scheint Feng Schui nicht so toll zu finden… ach ja, die Liebe…
Da mich das freundliche Koreanisch im Fernseher ankotzt, habe ich soeben beschlossen, auf Radio umzustellen und mir ein paar Schlager auf koreanisch anzuhören – das künstlich erstellte Orchester im Hintergrund macht mich ganz emotional!
Meine Sitznachbarin, eine mitvierziger Koreanerin mit Schweinegrippe, stopft mich schon die ganze Zeit mit Ricola Zitonenmelisse Bonbons voll und ich frage mich, ob sie wohl noch mehr Beutel davon in ihrem großen Rucksack hat – genau der, den sie gerade mit einem strahlenden Lächeln in meinen Fußraum schiebt!
Ich lehne mich jetzt erst einmal zurück und erwarte mit Spannung die folgenden 10 Stunden im Bummelzuch. Langweilig wird’s mir bestimmt nicht, da ich viel zu beschäftigt bin, die Viren zu sortieren und zu zählen, die ich mir hier gerade einfange. :-)

… vor wenigen Minuten kam mir mein Mittagessen samt Flugbegleiter „with pleasure“ entgegen geflogen. Es gab Omlett mit Würstchen und Joghurt, und zum Nachtisch einen Blaubeermuffin mit einem Nettogewicht von 30 Gramm und laut Verpackung 11,3 Gramm Fett. Die haben hier ziemlich coole Metalllöffel mit dem Korean Air Symbol. Am liebsten würde ich einen mitgehen lassen, aber da der Pilot uns freundlich darum gebeten hat, uns nicht mit Besteck, Kissen oder Flugzeugteilen einzudecken, werde ich das wohl bleiben lassen müssen. Schon gewusst, dass koreanische Männer, wenn sie im Flugzeug auf Toilette müssen, nie die Tür abschließen?…

…Soeben verlassen wir die australische Küste und überfliegen in Kürze Indonesien. Schon gewusst, dass ich genau in dem Flugzeugtyp fliege, der vor ein paar Monaten Notlanden musste, weil der Autopilot eine Kinderkrankheit hat und hin und wieder Sturzflüge veranstaltet? Da bekommt die Empfehlung „Bleiben Sie bitte angeschnallt“ eine ganz neue Bedeutung. … und das Baby im Cockpit schreit immer noch…

…Gerade wurde frühes Abendbrot serviert. Enttäuschte Terroristen, denen vor dem Flug pottentielle Waffen wie Kinder-Plastikscheren und Akupunkturnadeln abgenommen wurden, wurden endlich für ihre Geduld belohnt, da uns Korean Air zum Abendbrot großzügig mit Brötchen eindeckte, die bei ihrem Härtegrad mit unter’s Waffengesetz fallen…

… Gelandet! Und schon wieder – wir setzten auf, die Piloten machten ihren Job und der Mob klatschte. Diesmal war die Landung äußerst interessant. Nämlich bis die letzten paar Sekunden vom Autopiloten ausgeführt. Incheon war ist komplett vom Nebel eingehüllt ich kann nicht einmal 200 Meter weit aus dem Fenster sehen! Sehr interessant. Wir sanken auf 600 Fuss, tauchten dann in die Wolken ein und kamen bis wenige Sekunden vor dem Touchdown nicht mehr heraus! Das Gespräch mit dem Piloten nach dem Flug war sehr interessant. Ich saß noch ein bisschen mit ihnen im Cockpit und bin dann mit ihnen bis raus zum Zoll spaziert und habe mich über CAT Landungen und Korean Air unterhalten. Obwohl ich noch kein Bild eines A330 Cockpits in meiner Sammlung hatte, wollten die nämlich nicht, dass ich Fotos vom Cockpit mache. Das wäre aus Sicherheitsgründen verboten. Aber drin sitzen durfte ich… komisch.. aber naja, Korea halt.

Als kleines Beispiel, um euch zu Zeigen wie es wohl draußen aussehen muss, damit der Autopilot ein Flugzeug landet, habe ich einige interessante Bilder vom Nebel auf der Runway geschossen, und die gibt es wie immer in der Galerie: Zur Galerie.

(Werden bei dir die Bilder auch nicht angezeigt? Keine Sorge, das Problem scheinen ein paar von euch zu haben, und ich werde es innerhalb der nächsten Tage hoffentlich fixen und dann Bescheid sagen.)

Eine Antwort schreiben