Griffith versinkt im Sandsturm

Der zweite April 2008 in Griffith. Es herrscht Windstille, doch die Sonne ist nicht zu sehen. Dicke Wolken verdecken den Himmel und der Horizont färbt sich in einem bleichen Rot. Die Straßen sind leer, denn das Radio warnte: Jeder weiß, was sich am roten Horizont heranbraut…

Das Wetter im Westen Zentralaustraliens ist fürchterlich: Die Naturgewalten machen sich die vier Elemente zu Eigen und spielen Jeopardy. Vor wenigen Tagen fielen die Würfel auf Element Erde und Luft. Und so wirbelte ein Sturm Tonnen von Sand und Staub aus der Zentralaustralischen Wüste und trug sie hunderte Kilometer weit über Stadt und Land. Ich habe dieses Naturschauspiel in abgeschwächter Form schon einmal erlebt, jedoch keine Zeit gehabt, Bilder zu schießen. Doch diesmal machte ich den richtigen Schritt und kämpfte mich von Arbeit durch das dicke Braun nach Hause, um meine Konica Minolta aus der Schublade zu holen. Als ich wieder im Auto saß und mit der Kamera bewaffnet war, erreichte der Sandsturm seine volle Stärke. Der Scheibenwischer lief heiß und die Waschanlage wurde immer leerer, doch die Sicht blieb unter 50 Metern. Windböen spielten russisch Roulette mit fahrenden Autos und Bäumen, deren Äste sich tief im Sturm neigten. Der Verkehr war so gut wie dicht, vorsichtig bahnten sich die ehemals weißen Autos der Australier den Weg durch den roten Sand.
Zurück auf Arbeit waren die Tankspitzen mit ihren umgebenden Gängen in 10 Metern Höhe verschwunden. Mühsam erreichte ich mit dem Arm schützend vor Augen, Nase und Mund, das Labor. Wir warteten weitere 20 Minuten im Labor und horchten auf die nunmehr ächzende Klimaanlage und das Prasseln des Sandes gegen die Fenster. Als sich der Wind langsam zu beruhigen schien, entschieden meine Laborantinnen, unser Chef (Quality Manager) und ich, einen neugierigen Blick auf die Tanktops zu werfen. Schon auf der Treppe nach oben zu den „200ern“ wurde das Atmen schwieriger und der Wind spielte mit unseren Jacken. Oben angekommen wussten wir, dass das Ganze keine gute Idee war. Wer seinen Helm nicht fest hielt, verlor ihn an den Sturm und nicht zuletzt die schlankeren Mädels des Labors hatten Probleme, nicht mit Haut und Haaren vom Sturm weggeblasen zu werden! So waren wir reichlich froh und guten Mutes, wieder zurück ins Labor kommen.
Nach zwei Stunden legte sich der Sturm und ließ eine bis zu fünf Millimeter dicke Schicht von Staub und Sand auf den Autos, Straßen und Dächern. Doch die Aufregung blieb noch lange erhalten. Wie die Hühner gackerten und kicherten die Mädels aus dem Labor über ihre Probleme auf den Tanktops, Telefonanrufe von anderen und den Autos und Fenstern, die wohl bald gewaschen werden müssten.
Und ich freute mich. Endlich hatte ich die Möglichkeit, alles in Bilder zu fassen, um euch einen Blick auf den Sandsturm zu geben.
Alle Bilder von den Straßen und unserem Kampf auf dem Tanks findet ihr wie immer in der Galerie: Zur Galerie.

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