Es ist ziemlich traurig, aber es kam, wie es kommen musste. Mit dem Ende der Weinernte und der Vintage Party war es nun auch Zeit für alle Arbeiter mit Vertragsverlängerungen, das Handtuch zu werfen und zu gehen. Es ist Zeit, einen Blick zurück zu werfen…
Zwei Tage nach der Vintage Party war er da, der Tag, in dem mich Andrew Johns in sein Büro bat und zwei Minuten meiner Zeit erfragte. Ein dumpfes Gefühl im Magen sagte mir, worum es geht, aber ich wartete geduldig ab. Zuerst gab es wieder einmal ein Stück Schokolade, um mich fröhlich zu machen (er kennt mich gut)
, und anschließend die erschütternde Nachricht, dass am Mittwoch mein letzter Arbeitstag sei. Doch ich nahm es mit Fassung. Alle anderen sind bereits vor einem guten Monat entlassen worden und ich wurde nicht selten täglich für’s Nichtstun bezahlt. Er hat mich so lang in meinem Job behalten, wie es auch nur ging. Aber nun ist nun einmal die Ernte zu Ende und die Weinkellerei wird geschlossen.
Als ich meinen permanent angestellten Freunden von der Nachricht erzählt hatte, war die Niedergeschlagenheit groß. Und so schob ich mich noch mühevoll durch die letzten beiden Tage, bis schließlich der Mittwoch kam und ein niedliches Abschiedskaffeetrinken für mich vorbereitet wurde. Andrew hatte zu Hause extra einen Schokoladenkuchen für mich gebacken, von dem ich natürlich das allergrößte Stück bekam. Nach einem guten Cappuccino gingen wir drei zum letzten Mal raus, um die täglichen Ferments zu holen. Langsam und andächtig erfüllte ich meinen Job, genoss das Kleben der Silikonhandschuhe und Wendys Kichern, wenn sie den Wein über meine Finger statt in die Flasche schüttete.
Wieder zurück, wartete Andrew noch mit einem zweiten Geschenk für mich: Eine Flasche unseres Weines. Und dies ist tatsächlich unser, unser Wein! Wir Mädels vom Labor haben uns nämlich ohne jegliche Kenntnis vom Weinbrauen unseren eigenen „Wein“ zusammengemischt:
Die Herstellung von „St Drainings“ (St. Abfluss)
Etwas von diesem, etwas von jenem, dann ein paar Hefekulturen rein und kräftig umgerührt. Danach schön fermentieren und blubbern lassen und noch ein bisschen von dem weißen Pulver rein, noch einmal gut umrühren und fertig ist er!
Das Ganze dauerte ein paar Wochen und am Ende kam eine grüne, nett mit einem Korken versiegelte Flasche raus. Was drinnen ist, wissen wir nicht. Vermutlich ist’s ein Rosé geworden, da wir vergessen hatten, den Wein an den Traubenhäuten zu lassen. Vermutlich schmeckt er so, wie sich Sandpapier anfühlt – oder vielleicht haben wir auch einen Millionen Dollar Wein hergestellt! … Wer weiß. Ich werde die Flasche jedenfalls nicht so schnell aufmachen.
Nach der feierlichen Übergabe meiner Flasche war es soweit. Um fünf hörten wir ein letztes Mal gemeinsam unseren Song, der uns die ganze Ernte über begleitet hatte, und dann verließ ich die Wickham Hill Winery und „clockte“ zum letzten Mal off.
Ich habe Erinnerungsbilder von meinem letzten Tag geschossen. Vom Schokokuchen, von den Mädels – und nicht zuletzt auch von unserer Arbeit. Diese gibt es wie immer hier: Galerie.
Statistik der verwendeten und verbrauchten Gegenstände während der Weinernte 2008:
- wir haben mehr hautenge Silikonhandschuhe verwendet als ein Chirurg
- die meisten Hochpräzisions-Pipetten sind beim neu erfundenen „Pipi-Dart“ draufgegangen
- Titration Manager 1, Sample Changer 2, das DO-Meter und ein elektronisches Hydrometer haben den Geist aufgegeben
- Wir haben 12 Langpipetten, 16 Glasbecher und 23 Glasteile der Schwefelmaschine zerschmettert
- Für den Laborbetrieb worden über 3000 Liter destilliertes Wasser hergestellt und verschwendet
- über 20 Kilo Kaffeebohnen sind durch die Cappuccinomaschine gelaufen
- Der Gesamtwert aller neu gekauften und reparierten Instrumente beträgt rund 12.000 Dollar
Und was haben wir geschafft?
Zahl der durchgeführten Experimente während der Ernte 08 total:
28.115
Ich bin stolz auf unser Team.