So schnell ändert sich das Leben: Nachdem ich von einer Minute auf die andere zusammen mit 60 Prozent der Arbeiterschaft von Elders gefeuert wurde, hat sich mein Leben nun wieder komfortableren Linien zugewendet. Was alles passiert ist? Am besten beginne ich ganz von vorn…
Vor eineinhalb Wochen habe ich ein Lob von einem Supervisor des Packingsheds und meinen Arbeitsplatz bis Dezember zugesichert bekommen. Das hat mich natürlich riesig gefreut, weil mir die kommende Kürzung der Arbeiter von zwei Schichten auf eine Schicht pro Tag bekannt war. Daraufhin wiegte ich mich in „Sicherheit“.
Doch es sollte ganz schnell anders kommen: Als ein paar Tage später – wie alle wichtigen Informationen – über Gerüchte weiter getragen wurde, dass an diesem Tag (Donnerstag) ein (unangekündigtes) Meeting ist, erfuhren wohl 50 % der Kollegen erst von der Stellenstreichung. Ich konnte mich also glücklich schätzen, dass ich es zumindest vorher schon wusste. Alles, woraus das Meeting bestand war ein „Dankeschön an euch alle für euere Arbeit und auf Wiedersehen an alle, die gehen. Wir haben hier eine Liste mit den Leuten, die morgen schon um sieben auf Arbeit kommen müssen. Alle Arbeiter, die nicht auf der Liste stehen, brauchen ab morgen nicht mehr zu kommen.“
Das saß volle Breitseite. Die Backpacker schnaubten abwertend, die fetten australischen Frauen gackerten wie die Hühner und die Asiaten haben wieder mal nichts verstanden, grinsten und nickten. Und schließlich klebte die Liste endlich neben dem Check In und 60 Augenpaare suchten verzweifelt ihren Namen unter den nur 20 niedergeschriebenen.
Ruhigen Gewissens ließ ich die wallende Menge, die das Papier fast zerriss, vorübergehen, um dann meinen Namen unter CVS & Admins zu suchen – doch vergeblich. Ich dachte erst, ich sehe nicht recht – doch es ist wahr. Ich wurde also doch gefeuert, obwohl mir nur wenige Tage zuvor mein Arbeitsplatz zugesichert worden war. Alles, was mir im Moment dazu einfiel, war ein verständnisloses Lachen und ein „die spinnen doch!“
Und so erlebte ich meinen letzten Arbeitstag bei Elders und genoss die letzten niveaulosen Gespräche mit Gabelstaplerfahrern und das letzte Augenzwinkern mit unseren Bauarbeitern.
War ich traurig? Nein, nicht gerade. Enttäuscht war ich, und zwar tief enttäuscht von den Australiern, die mir einen weiteren Beweiß lieferten, dass man sich auf australische Versprechen nicht verlassen kann. Aber den Arbeitsplatz zu verlieren, bei dem ich 10 Stunden unter der Woche und 12 Stunden am Wochenende Abfall sortieren soll, ist nun wirklich nicht so schlimm. Ich sah es als neue Chance, um einen besseren Job zu finden, und zog gleich erst einmal in aller Ruhe aus meinem steinzeitlichen Pioneerzimmer aus:
Und zwar zu Kerrie Dissegna, Pilotin, (wahrscheinlich) Mitte 50, frisch geschieden. Kennen gelernt habe ich sie – wie man das halt so mit Piloten macht – auf dem Flughafen. Da ihre Tochter (20) schon sehr früh von zu Hause abgehauen ist, vermute ich, dass ich nun eine Art Tochterersatz für sie bin. ![]()
Und so genieße ich nun endlich den Luxus, den ich verdiene.
Ein eigenes Zimmer mit Queensize Bett und tausenden Kissen, ausgerüstet mit Computer mit Internetanschluss plus Drucker und Blick auf den Backyard (Garten). Das Bad ist genau 1,5 Schritte von meiner Zimmertür entfernt und die Toilette 4 Schritte. Diese gehen – meist barfuss – über flauschig kuschelige Auslegware in wohltemperierter Atmosphäre. Im Vergleich zu meiner vorhergehenden Unterkunft musste ich 25 Meter über Lehmboden bei Temperaturen zwischen -4 und +25 Grad marschieren – dies selbstverständlich mit gut geschnürten Trekkingschuhen zur Spinnenabwehr. Wenn ich Freizeit habe, wartet das Internet, ein Liegestuhl im Backyard, der ausklappbare Kuschelsessel in der Fernsehecke oder auch das Auto mit Automatikgetriebe vor der Tür.
…hach, ich bin schon ein armes Kind…
Kommen wir nun zu meiner beruflichen Zukunft:
Nachdem ich ein paar Tage Arbeitslosigkeit genossen habe, hatte ich am Montag beschlossen, nun wieder arbeiten zu gehen. Gesagt, getan, verschaffte mir Cesar (Backpackermanager und Mädelsabschlepper) vorübergehend einen Job auf einer Farm, wo ich Orangenbäume ausriss. Die Bezahlung ist angemessen und so bin ich wenigstens beschäftigt.
Derzeit bin ich dabei, mir einen Job hinter dem Bartresen zu verschaffen. Lebenslauf und Referenzen sind abgegeben, ich warte nur noch auf einen Anruf und die Chancen stehen äußerst gut. Jetzt genieße ich aber erst noch einmal ein paar freie Tage.
Natürlich hab ich wieder Bilder geschossen, und zwar von meiner neuen Unterkunft. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Bild vom Auto – aber das kommt bestimmt auch noch. Zur Galerie