
Da ich schon so oft gefragt wurden bin, wie es nun eigentlich bei mir auf Arbeit ist, bekommt ihr hier einmal eine Beschreibung, was ich im Packingshed Elders eigentlich so mache… Irgendwo zwischen vielen Quadratkilometer großen Orangenplantagen liegt der Packingshed (Packhalle) Elders – eine Packstation für Orangen aller Art. „Elders“ ist hier nicht einfach nur eine Firma, sondern DER Orangenproduzent schlechthin. Auch ihr in Deutschland kauft Orangen, die von uns gepackt wurden. Achtet einfach mal auf die kleinen Etiketten auf den Orangen, ob dort „Elders“ Australia steht. Die Orangenvermarktung nimmt nur einen kleinen Teil des Umsatzes von Elders ein. Zur Unternehmung gehören nämlich u.a. noch die Vermietung und Vermarktung von Häusern, eine agrarorientierte Bank, einige andere Speisenfi![]()
rmen und vieles mehr.
Ich selbst habe meinen Platz glücklicherweise genau an der richtigen Stelle in der Orangenverpackungsfabrik gefunden/bekommen. Die ersten Tage packte ich zu hunderten Kartons voller Orangen in unterschiedlichen Größen oder steckte immer zwischen 13 und 18 Orangen in 3 kg Netze, um sie schließlich zuzubinden. Diese Arbeit ist, ähnlich wie das Aussortieren der schlechten Orangen, sehr eintönig und anstrengend für den Körper. Das ständig leicht gebeugte Stehen, hochheben der Netze oder die gleiche Handbewegung beim Packen der Boxen schlaucht auf Dauer ganz schön. So hatte ich innerhalb weniger Tage mit einer Art Sehnenscheidentzündung am rechten Arm zu kämpfen, die nur über entzündungshemmende Tabletten und eine Bandage zu bekämpfen war.
Zum Glück wurde ich nun von diesen unliebsamen Arbeiten weggeholt und arbeite schon seit 5 Tagen in einer „watching position“ – also als Kontrolleurin. Ich bewache hier allerdings etwas, was weder gefährlich ist, noch sich wehren kann oder gar beschützt werden müsste: Mülleimer!
Ja, als ich diese Position zugeschrieben bekommen hatte, habe ich auch schmunzelnd noch mal nachgefragt. Und tatsächlich: Ich bekomme 18,50 Dollar pro Stunde (ein Hammer Gehalt!), um an einer riesigen Maschine zu sitzen und wenn ein Mülleimer voll wird, den richtigen Hebel zu ziehen. Innerhalb der letzten Tage sind dann noch einige Positionen dazu gekommen, sodass ich stolz sein darf, die anscheinend größte und modernste Maschine des gesamten Packingsheds zu überprüfen. Ich beobachte, ob alle Arbeitsgänge der Lasererkennung richtig von statten gehen und führe entsprechend Protokoll. An der computergesteuerten Konfiguration darf ich nichts verändern, das dürfen hier nämlich nur der Chef (Jonathan) und der Systemadministrator.
Kann mir nur recht sein. Ich habe die Programme und deren Konfigurierung natürlich schon längst durchschaut
– aber solange ich die noch nicht überwachen muss, bleibt mir immer noch mehr Freizeit, um draußen in der Sonne zu sitzen. ![]()
Von diesem Systemadministrator (Chris) halte ich sowieso meinen Teil.
Als wir eine neue Orangensorte, nämlich Blutorangen, in die Produktion genommen haben, mussten alle Bins (Mülleimer) entsprechend mit Sorte und Packdatum beschriftet werden.
Diese Aufgabe hat Chris, der Admin, an sich genommen und mich dabei wieder einmal zum Schmunzeln gebracht.
Letztendlich habe heimlich ich alle seine gedruckten Beschriftungen für 80 Boxen noch einmal gemacht. Der Arme wusste nämlich anscheinend nicht, dass die Blutorangensorte „Rosey Red“ mit einem „e“ vorm „y“ geschrieben wird und das heutige (Pack-)datum nicht der 14 Juni, sondern schon Juli ist.
Ich glaube er weiß hat es bis heute noch nicht gemerkt, dass ich alles noch mal neu gemacht habe.
Der Packingshed ist noch nicht alt. Bis vor einem halben Jahr war es noch ein kleiner Familienbetrieb, bei dem alles von Handarbeit bestimmt war. Seit er (wahrscheinlich) zu Beginn 2007 von Elders aufgekauft wurde, hat sich sehr viel getan. Fast wöchentlich kommen neue Maschinen hinzu, die das Arbeitsleben erleichtern und die Arbeit noch schneller regeln lassen. Leider werden dadurch auch immer Arbeitsplätze eingespart.
Ein Beispiel: Früher füllte ein ganzer Arbeitsplatz das einfache Tragen von Kisten um eine Ecke, weil zwei Laufbänder noch nicht verbunden waren. Heute geht das Laufband einfach um die Kurve und ein Arbeitsplatz wurde eingespart.
Das Arbeiten ist ähnlich, wie ich es erwartet hatte: Vollkommen unkoordiniert. Jonathan, der Chef, hat nicht wirklich Ahnung, wie man einen Betrieb führt. Statt Koordination und Planung regiert bei ihm „Arschgefühl“ und Intuition. Wo beim Einstellen der Laserempfindlichkeit in Deutschland eine detaillierte Tabelle verwendet wird, stellt man hier die Kiste einfach mal auf „on“ und schaut, was passiert.
Das Mann kein Handbuch braucht, ist anscheinend überall auf der Welt gleich, aber weltweit weiß Frau auch, warum das meistens schief geht.
Als die Maschine nämlich alle Orangen als „eklig“ abgestempelt und in den Mülleimer geschmissen hat, stellte man sie wieder aus und überlegte, was wohl nicht stimmt.
Ich habe wirklich selten so viel über unkoordiniertes Arbeiten geschmunzelt wie in Australien. Bisher habe ich Desorientierung immer nur in einem speziellen Fremdsprachenunterricht in der Schule kennen gelernt. ( Ne, Judith?)
Schade ist, dass man sich hier nicht erlauben darf, gelangweilt auszusehen. Heute komme ich mit Jonathan schon gut klar und er machte mit mir Witze wie „ich miete die ein Bett“, wenn er mich „rumfletzen“ sah. Heute kann ich mir das aber auch leisten, weil ich dennoch meinen Job gut mache. Vorher war das anders. Man muss hier als „einfacher“ Arbeiter immer beschäftigt aussehen. Sonst gibt’s böse Blicke und auch mal den einen oder anderen Anraunzer eines Kontrolleurs, welche ihre Augen überall scheinen zu haben.
Dies hatte ich eigentlich anders erwartet, weil ich dachte, dass die Australier, (locker wie sie sind), auch ruhig mal über ihre Arbeit jammern und dennoch durchziehen. Aber das ist hier anscheinend wie in der Politik.
Anders als in Deutschland, wo man das Nachfragen und Nörgeln schon anerzogen bekommt, wird man hier zu voller Solidarität gegenüber den Oberhäuptern erzogen. Dies ist auch bei Elders so. Als Individualistin habe ich hier außerordentlich Glück, dass meine kritische Meinung vom Chef, und so auch vom Rest der Firma akzeptiert wird.
Um kurz in Zahlen zu sprechen:
Ich arbeite unter der Woche 6 Stunden täglich in der Nachmittagsschicht. An den Wochenenden machen wir Doppelschichten von 12 Stunden. Schließlich gibt es Samstags und Sonntags auch die doppelte Bezahlung. So verdiene ich stündlich 18,50 Dollar und am Wochenende auch schon mal 37 Dollar pro Stunde. Dies ist ein Verdienst, bei dem ich mir nur die Augen reiben kann!
Ich freue mich riesig über meinen genialen Job und kann diese Arbeit einfach nur jedem empfehlen, der hier in Australien ein finanzielles Standbein braucht.
23 Juli, 2007 um 9:22 |
Australien ich komme ,ich liebe Orangen!
…doch bleib ich doch lieber daheim ,denn als frisch verheiratete Maid will ich nicht der Grund für unsern 1. Ehekrach sein…
24 Juli, 2007 um 3:55 |
Hi Sabine,
da hast Du mit dem Job ja mega Glück gehabt, vor allem mit der Bezahlung! Also weiter so und ich freue mich, von Dir zu lesen!
LG,
Jorin
29 Juli, 2007 um 12:31 |
JA JA BINE, DU SCHEINST ES DA UNTEN WIRKLICH GUT ZU HABEN.
MUTTI IST JEDESMAL BEGEISTERT WENN WIR ANRUFEN DU SIE DICH AUS SO EINER ENTFERNUNG HÖREN KANN.
LEIDER IST JETZT DAS PROBLEM DAS SIE MICH JETZT ALS DEINEN TECHNICK KÖNNERICHEN NACHFOLGER EINSETZTEN UND ICH VON TELEFON, COMPUTER ODER SONSTIGEN NUN WIRKLICH WENIG AHNUNG HABE:
DU BRAUCHST DICH JETZT ABER NICH MEhr DAMIT VOLL MACHEN
DENN DAS SIND JETZT MEINE PROBLEME
SO NA DANN WEITERHIN SO VIEL ERFOLG
WÜNSCHT DIR MARLIS UND DER REST DER SCHUBERTBURG
29 Juli, 2007 um 12:51 |
Hi, Bine
telefon zu hause funktioniert wieder.
Also an deinem „neudeutschen deutsch“ hat sich, wie jeder im artikel nachlesen kann, noch nichts geändert. mal sehen wie das in elf monaten ist.
lg anne und jörg